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Drei Wochen bis zum Start
Rapid Prototyping für ein Solarbike
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Abdeckhaube
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Das solarbetriebene E-Bike
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Der Sieg beim Rennen durch den australischen Busch war
der Schlusspunkt einer rasanten Entwicklung eines solarbetriebenen
E-Bikes. Für die Produktion der wichtigsten Komponenten
dieses Rads standen weniger als drei Wochen zur Verfügung.
Unter Einbeziehung der Stereolithographie konnte diese Herausforderung
bewältigt werden.
Gestartet wurde das Projekt Anfang Juni 1999 von einer
Gruppe von Radenthusiasten. Das Ziel war es, ein schweizerisches
Team für die World Solar Cycle Challenge in Australien
zu formieren und das Renngefährt dafür zu entwickeln.
Die technische Verantwortung für die Projektentwicklung
wurde von den Unternehmen Velocity Engineering AG (Biketechnik),
Proform AG, Marly/Schweiz (Rapid Prototyping) und Creaholic
SA, Biel/Schweiz (Projektmanagement) übernommen. Die
involvierten Unternehmen mussten in lediglich vier Monaten
ein Rennteam zusammenstellen. Das Projektteam skizzierte
verschiedene Aufgabenmodule, die von Spezialisten der Gruppe
zusammen mit externen Fachkräften vorangetrieben wurden.
Die gesamte Radtechnik (Bild 1), Motorensteuerung und Antrieb
wurde von Velocitv zusammen mit Creaholic produziert. Das
Antriebssystem verfügte über eine Dauerleistung
von 250 Watt und brachte seine Kraft tretfrequenzabhängig,
gesteuert über ein stufenloses Automatikgetriebe, aufs
Hinterrad.
Abdeckungen mussten grosser Hitze trotzen
Eine besondere Schwierigkeit bei der Entwicklung dieses
Rads waren die Abdeckungen zum Schutz des Motorengehäuses
(Bild 2) und der Batteriekoffer (Bild 3). Für die Produktion
der insgesamt 26 Teile standen der Proform AG weniger als
drei Wochen zur Verfügung. Für das Rennen mussten
20 Batteriekofferabdeckungen und sechs Motorhauben, bestehend
aus je einer linken und rechten Halbschale, gefertigt werden.
Die Abdeckungen mussten dabei verschiedene Anforderungen
erfüllen. Neben einer hohen Passgenauigkeit und Oberflächenqualität
sollten die Teile auch als Werbeträger einsetzbar sein
und die vom Hauptsponsor festgelegte Farbe haben. Außerdem
sollten sie den Erschütterungen von 1400km Straßenfahrt
in der australischen Hitze trotzen und Anfang Oktober zur
Endmontage vorliegen.
Auf Grund der vorgegebenen Anforderungen ergab sich die
Strategie für die Fertigung der 52 Teile. Vier Prototypen
sollten mittels Stereolithographie gefertigt werden und
anschließend zur Herstellung entsprechender Silikongießformen
Verwendung finden. Im Vakuumgießverfahren sollte dann
ein geeignetes Zwei-Komponenten-Polyurethanharz, versetzt
mit einem entsprechenden Farbpigment, zum fertigen Solarrad
verarbeitet werden.
Datenversand via Internet
Ausgangspunkt waren 3D-CAD-Daten im STL-Format, die über
das Internet zur Proform AG transferiert wurden. Diese wurden
zunächst auf ihre mathematische Integrität überprüft.
Nach der Orientierung und Platzierung auf einer virtuellen
Plattform wurden mittels einer speziellen Software Stützkonstruktionen
eingesetzt. Als letzter Schritt erfolgte die Darstellung
aller Objekte als eine Vielzahl von Schichten längs
einer ausgezeichneten Achse (slice). Diese Daten wurden
anschließend über das interne Netz auf eine Stereolithographieanlage
(Typ: SLA-500/40 H, Hersteller: 3D Sytems Inc.) mit einer
Plattformgrösse von 50 x 50 cm² überspielt.
Dieses generative Fertigungsverfahren basiert auf der schichtweisen
Härtung eines flüssigen Photopolymers, mittels
eines fokussierten und ablenkbaren UV-Laserstrahls. Das
Bearbeitungswerkzeug ist hier ein fokussierter Laserstrahl,
dessen Breite üblicherweise etwa 0,3 bis 0,4 mm beträgt.
Dies setzt der Auflösung auf herkömmlichen Stereolithographieanlagen
eine untere Grenze, die für die geforderte Anwendung
jedoch genügte.
Die gleichzeitige Fertigung aller vier Prototypen auf der
Anlage nahm wegen der Grösse der Teile (bis zu 350mm)
und der gewählten Orientierung (ca. 2800 Schichten
von je 0,125mm Dicke) rund zwei Tage in Anspruch. Verwendet
wurde ein Epoxidharz (Typ: SL5180, Hersteller: Ciba Specialty
Chemicals). Nach Beendigung des Bauprozesses wurden die
teilgehärteten Prototypen von anhaftendem Harz gereinigt
und in einem Breitband-UV-Belichtungsschrank vollständig
ausgehärtet.
In einem weiteren Schritt wurden die SL-Prototypen in der
Werkstatt nachbearbeitet. Neben den üblichen Arbeiten
wie Schleifen, Feinverputzen von Sichtflächen oder
Sandstrahlen wurden einige Änderungen auf Grund von
Angaben (oder mittlerweile vorliegenden Gegenstücken)
des Radfahrer-Teams direkt an den Urmodellen vorgenommen.
Als letzte Oberflächenbehandlung wurde auf den Sichtflächen
eine leichte Erodierstruktur aufgebracht.
Nach dem Anbringen von Angüssen an geeigneten Stellen
und der Fixierung in Formkästen wurden die Urmodelle
mit transluszentem Silikonkautschuk vollständig eingegossen,
welcher über Nacht zu einem elastischen, reißfesten
Formmaterial aushärtete. Anschließend wurden
die Formen entlang der vorgesehenen Trennlinien zu je zwei
Hälften aufgeschnitten und die Urmodelle vorsichtig
entfernt.
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Abdeckung für Batteriekoffer
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Abdeckungen für das Motorgehäuse
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Temperaturstabilität
Auf Grund der vielfältigen Anforderungen wurde ein
Polyurethan-Gießharz (Typ: 8051, Hersteller: MCP)
mit einer Temperaturstabilität von rund 90°C ausgewählt.
Die Farbgebung in der Masse erfolgte mit einem beigemischten
Pigment definierter RAL-Farbe. Aus Festigkeitsgründen
schieden die Ureole bei der Materialauswahl aus, so dass
PUR-Typen eingesetzt werden mussten. Da vom Sponsor eine
Einfärbung gefordert wurde, konnten die Hochtemperatur-Typen
nicht verwendet werden. Übrig blieb der UV-stabilisierte
Typ und der ABS-Typ, die mit einer Glasübergangstemperatur
von knapp über 70°C thermisch nicht stark belastet
werden konnten. Mangels Fahrtwind am Berg und infolge der
hohen Leistung von bis zu 600 Watt entwickelten sich am
Motorengehäuse bis zu 100°C, wobei die Abdeckungen
jedoch keinen Schaden nahmen. Die zu erwartende hohe Hitze
in Australien, die Wärmeentwicklung beim Laden der
Batterien und die Temperaturmessungen am Elektromotor führten
letztlich zum Einsatz des PUR-Gießharzes.
Auf einer Vakuumgießanlage (Herstel1er: MCP) wurden
die beiden Harzkomponenten nach dem Vorevakuieren gemischt
und in die rund 60°C warme Silikonform gegossen. Nach
einer Aushärtezeit von rund einer Stunde bei 60°C
und einer Abkühlphase, erfolgte das Entformen und das
Vorbereiten der Form für den nächsten Gießvorgang.
Pro Tag konnten so etwa vier bis fünf Teile hergestellt
werden. Als Nacharbeit an den Gießteilen verblieb
das Entfernen des Angusses und einiger Brauen längs
der Formtrennung. Dank der strikten Einhaltung der Gießzyklen
lagen zwei Wochen nach Erhalt der Daten alle Teile passgenau
und in der benötigten Stückzahl vor.
Die einzelnen Bauteile, Energiespeicher, Leistungselektronik,
Gehäuserahmen und Kunststoffabdeckungen, wurden wenige
Tage vor Abreise nach Australien endmontiert. Sämtliche
Systeme haben sich im Renneinsatz in Australien pannenfrei
bewährt.
Der Autor dieses Beitrages
Dipl.-Ing. Matthias Hell, geb. 1966, ist Gründungsmitglied
der Arbeitsgemeinschaft Spirit of Bike in der Schweiz und
Teilhaber der Creaholic SA, Biehl/Schweiz.
Kontakt: maettu@creaholic.com
Die Arbeitsgemeinschaft Spirit of Bike ist ein Netzwerk
Schweizer Fahrrad-Enthusiasten und will vorrangig das E-Bike
als umweltschonendes und schnelles Individualverkehrsmittel
fördern.
Kontakt: www.spirit-of-bike.ch
Creaholic SA ist ein multidisziplinäres Innovationshaus,
welches für viele internationale Marktführer tätig
ist. Creaholic ist im Advanced Developement der Bereiche
Medizin, Verpackung, Sportartikel und Uhrenindustrie für
unkonventionelle Ideenfindung bekannt und ist ein Team von
15 Querdenkern im Bereich Technik, Design und Software.
Kontakt: www.creaholic.com
Die Proform AG ist ein Unternehmen auf dem Gebiet
Rapid Prototyping. Die Dienstleistungen umfassen u. a. Stereolithographie
von Kleinstteilen bis hin zu großen und massiven Teilen,
Fertigung von Kleinserien in einer breiten Palette von thermoplast-
und elastomerähnlichen Gießharzen mittels Vakuumgießen
sowie Metallprototypen mittels einer eigenen Metallgießanlage
oder in Zusammenarbeit mit ausgesuchten Gießereipartnern.
Kontakt: www.proform.ch
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